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Ein Neuanfang… puh… über einen Neuanfang nachzudenken fühlt sich auf den ersten Spürer irgendwie sehr unbehaglich an. Anstrengend. Fordernd. Ungemütlich. Nach Veränderung und damit Verbundene Arbeit und Angst. Nach Herausforderung. Hmm… okay ich nehme diese Gefühle einfach mal wahr, ich gebe ihnen Raum. Ich nehme mich an die Hand und gebe mir Halt durch diese schweren Gefühle hindurch zu tauchen. Denn ich weiß, da ist noch mehr. Also öffne ich noch eine Türe in meinem Herzen und spüre noch einmal rein, schaue was sich in der Tiefe noch so verbirgt… Jetzt taucht langsam Neugier auf, positive Aufregung, Vorfreude auf das Ungewisse. Das Verlangen nach neuen Erfahrungen, nach Wachstum, nach Entwicklung. Den Willen mutig zu sein.

Also was haben wir hier: ein Karussell der Gedanken und Gefühlen, eine Diskussion die langsam beginnt Gestalt anzunehmen – ein Streit zwischen Kopf und Bauch, zwischen Verstand und Seele, zwischen Vernunft und unseren Träumen. Unsere Gedanken, die uns überrollen mit „ich muss aber“, „ich sollte lieber“, „ich darf doch gar nicht“, „man erwartet von mir“; und im Gegensatz dazu unser Herz, unsere Visionen und Wünsche, die uns mit klaren Gefühlen zeigen was wir eigentlich wirklich wollen, wovon wir träumen, was unsere Seele zum Strahlen bringt. Ich glaube so ziemlich jeder hat diesen Kampf zumindest schon einmal erlebt und viele von uns – mich eine ganz lange Zeit in meinem Leben eingeschlossen – hören dieser Debatte täglich zu.

Ich war noch nie ein Mensch, der wirklich Angst vor Veränderung im Außen hatte. Mein ganzes Leben lang, von früher Kindheit an, war ich nie länger als ein paar Monate am selben Ort – also war Veränderung auf allen Ebenen schon vorprogrammiert. Neuanfänge haben mein Leben ausgemacht: neue Wohnorte, neue Häuser, neue Menschen um mich rum, neue Schulen und irgendwann auch Arbeitgeber, neue Versionen von mir selbst. Ich habe gelernt mich den Veränderungen im Leben hinzugeben und das Beste draus zu machen, ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister“. Das ging so weit, dass ich überhaupt nicht mehr lange irgendwo still stehen konnte, mit ständiger Angst vor Stagnation in meinem Leben. Was ich dabei aber nicht begriffen habe, ist, dass ich durch die ständigen Wechsel meiner Lebensituation gar keine richtige Entwicklung in mir selbst passiert ist. Denn ich war ja immer nur auf das nächste Projekt, auf den nächsten Ort, auf das nächste Ziel konzentriert, dass ich vergessen habe die Erfahungen im Hier und Jetzt auch wirklich mitzunehmen. Was also im Zuge dessen ein weitaus größeres und schwieriges Thema für mich war, war die Veränderung wirklich in meinem Inneren zuzulassen. Und mir selbst das zu erlauben, erfordert eine ganz schön große Portion Mut.

Ich glaube, das sollte ich näher erklären: Ich war ungefähr 6 Jahre lang in einer Arbeit tätig, die mich nicht zu 100% erfüllt hat. Seit Beginn meiner Ausbildung wusste ich irgendwie, dass das nicht mein Sinn hier ist, nicht meine Erfüllung. Ich war aber einfach verdammt gut darin und habe immer grundauf positive Resonanz von Arbeitgebern, KollegInnen und Gästen bekommen und bin in der Karriereleiter super schnell aufgestiegen. Also hat der Schein mich ganz lange getrübt und mein Verstand hat mir das vermeidliche Glück ziemlich gut vorgespielt, mit Sicherheit begründet und den Rest ignoriert. Aber mein Herz, mein Bauch, meine Seele haben mir immer wieder Zeichen gegeben etwas zu verändern, sie holten mich immer wieder ein. Körperliche sowie starke emotionale und geistige Symptome waren die Folge meiner Ignoranz. Natürlich wollte ich mich da immer wieder rausholen – und genau dann fingen die innerlichen Kämpfe an, denn was sollte ich denn schon anderes machen? Gedanken wie, „ich kann aber nichts anderes“, „ich muss mich nun mal finanziell absichern und das geht nicht anders“, „eigentlich ist doch alles gut“ hielten mich immer wieder davon ab, einen Schritt in Richtung Veränderung zu machen. Ich habe es mir immer wieder „gemütlich“ gemacht in meiner Comfort-Zone – nur, dass dort rein gar nichts mehr gemütlich war. Denn, wenn du immer wieder gegen die Wünsche und Träume und Zeichen deiner Seele arbeitest, dann wird sie halt ganz schön traurig und enttäuscht. Also folgten immer wieder sehr dunkle Zeiten. Taubheit, Sinnlosigkeit. Und meine Seele wurde immer und immer weniger spürbar. Ein Kreislauf der mich lange begleitet hat, bis ich ihn endlich entlarvt und durchbrochen habe.

Es gab irgendwann einen Punkt in meinem Leben, da wusste ich es einfach – es ist Zeit. Jetzt oder nie. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich hatte keine Lust mehr immer wieder die selben Fehler zu machen. Immer wieder wegzulaufen und an einem anderen Ort, einer anderen Szenerie, mit anderen Menschen exakt die selben Fehler zu machen wie davor. Ich habe begriffen, dass ich sowieso alles mitnehme, alle Muster sich überall wiederholen, bis ich endlich daraus lerne. Dass ich IN MIR etwas ändern muss, damit sich in meinem Leben etwas ändert. Ich muss jetzt mutig sein – ich will mutig sein. Okay – wichtige Erkenntnis, danke dafür. Und jetzt? Was will ich denn eigentlich? Was kann ich denn eigentlich? Was möchte ich? Ich hab doch so lange meine Seele ignoriert und ihr nicht zugehört, dass ich gar nicht mehr wusste wie man träumt und begehrt und sich was wünscht. Das war eine schwere Pille, die ich erstmal Schlucken musste, ich habe gemerkt, dass ich mein Innerstes gar nicht richtig kannte. Es lag eine Menge Arbeit vor mir, das wusste ich. Aber ich war bereit dazu. Ich wollte mit allen Mitteln alles dafür tun, mich wieder zu spüren, mich wieder kennenzulernen, herauszufinden was ich will und warum ich hier bin. Ich habe mich für den Neuanfang in mir entschieden. Das war der erste Schritt. Einer von Aber-tausenden. Ich gehe immer noch und werde jeden Tag bis zu meinem Letzten, einen Weiteren in Richtung meiner inneren Wahrheit gehen.

Eine gute Nachricht ist: die Seele ist ja immer in dir. Sie ist vollkommene und bedingungslose Liebe. Und sie vergibt dir, dass du sie ignoriert hast. Und sobald sie merkt, dass du dich aufraffst und ihr wieder zuhören willst, dann meldet sie sich auch – irgendwann. Du brauchst einfach Geduld. Und Zeit. Und Stille. Du hast alle Antworten bereits in dir, versprochen. Ich zumindest habe mir diese Zeit genommen und es hat wirklich lange gedauert bis sie kamen. Mein Geist hat mir während dieser Zeit immer wieder versucht Striche durch die Rechnung zu ziehen und mich zurück zu führen zu meiner alten gewohnten Sicherheit. Und ich musste immer und immer wieder die Entscheidung treffen weiter nach Antworten zu suchen, weiterhin still und geduldig zu sein. Weiterhin neugierig, weiterhin mutig. Yoga und Meditation haben mir in dieser Zeit der Suche essenziell geholfen die Verbindung zu meinem Körper wieder herzustellen. Positive Gewohnheiten und Routinen gaben mir den nötigen Halt, den mein Geist gebraucht hat um sich umzukonditionieren. Die Natur gab mir meine Lebenskraft und meine Inspiration zurück, die Verbindung zu allem was ist, die Verbindung zur Gegenwart. Es hat eine ganze Pandemie gebraucht, eine Reise auf einen anderen Kontinent und dann eine Phase des absoluten Nichtstun in einem sicheren Hafen. Aber dann, irgendwann, in aller Ruhe, kamen die Antworten zu mir. Und das dann wirklich laut und deutlich. Ich wusste auf einmal wieder was ich tun will, wofür ich hier bin, was mich erfüllt. Ich wusste wieder welche Werte ich habe und was mein Herz begehrt. Mein Verstand wusste zwar nicht, wie ich all diese Dinge in die Tat umsetzen wollte und drohte mir mit Versagens- und Existenzängsten. Doch das machte mir nichts mehr aus, denn ich habe ja gelernt mutig zu sein. Also bin ich seitdem meinem Bauchgefühl gefolgt und habe mich leiten lassen, fallen lassen. Ich habe angefangen zu 100% darauf zu vertrauen, dass ich dort lande, wo ich hingehöre, ich habe angefangen der Führung meiner Seele zu vertrauen, ganz und gar – ohne Einwände meines Verstandes, oder auch Meinungen anderer Personen. Ich habe endlich wieder meine Intuition gehört, und bin ihr blind gefolgt. Seitdem habe ich die besten Entscheidungen meines Lebens getroffen. Beruflich gesehen, in meinen Beziehungen zu anderen Menschen in meinem Leben, bei allen wichtigen Lebensentscheidungen. Denn alle meiner Handlungen die ich seitdem getätigt habe, resultierten nur noch aus reinen Bauch-Entscheidungen. Und sie haben mich stetig und ständig genau dorthin geführt wo meine Seele sein wollte und damit genau dort, wo sie auch hingehört. Welche Wunder dort auf mich gewartet haben, hätte ich nie für möglich gehalten. Es stimmt wirklich, das Leben öffnet sich dir, wenn du dich auch ihm gegenüber öffnest.

Ich bin unendlich dankbar all diese Erfahrungen gemacht zu haben, all diese Schritte gegangen zu sein, all diese Lektionen gelernt zu haben – auch, wenn es hart und anstrengend war. Jetzt habe ich keine Angst mehr hinzuschauen, keine Angst mehr Neues auszuprobieren, keine Angst mehr mich zu verändern. Weil ich gemerkt habe, dass ich es kann! Es wird nicht immer leicht sein und es wird immer wieder etwas kommen, das mich herausfordert mich neu zu erfinden, mich neu kennenzulernen, vielleicht sogar wieder neu anzufangen. Aber wenn ich eins verstanden habe, dann, dass jeder Tag, ach, jede Stunde ein neuer Anfang sein kann. Wir können uns immer wieder neu entscheiden. Ich für meinen Teil versuche mich nun jeden Tag für das Wohl meiner Seele zu entscheiden, auf mein Bauchgefühl zu hören und dafür zu sorgen, dass es mir gut geht, auf allen Ebenen meines Lebens, ohne Kompromisse.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem kleinen Einblick in mein Inneres ein wenig erreichen. Ich möchte dir damit ein wenig Mut machen, falls du auch noch in dem Kampf zwischen Verstand und Herz gefangen bist und dir damit sagen, du bist nicht alleine. Du hast alle Kraft in dir, die du brauchst, auch, wenn du gerade nicht daran glaubst. Alle Antworten, die du suchst, sind bereits in dir. Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Dein Neuanfang wartet schon auf dich. Und denk daran: einfach einen Schritt nach dem anderen. Hab Geduld, sei mutig und vertraue.

Danke, von Herzen, dass du dir die Zeit genommen hast meinen Blog zu lesen. Ich freue mich deine Gedanken und Gefühle dazu zu hören. Hier ist auf alle Fälle ein offenes Ohr für dich.

Alles Liebe und bis zum nächsten Mal,

~ Laetitia Aurora